Instituto agro-industrial

 



Ein Hilfsprojekt der Pfarrgemeinde


Inagro ist ein Bildungs-Projekt für benachteiligte Jugendliche und Kinder aus ländlichen Gebieten in Monterilla / Kolumbien. Durch eine umfassende Schulbildung bis zum Abitur und eine parallel dazu laufende Berufsausbildung soll verhindert werden, dass Kinder und Jugendliche Opfer von Guerilla oder der Drogenmafia werden.

Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus, sowie weitere Gruppen und Verbände, unterstützen das Projekt durch verschiedene Aktionen (Sternsingeraktion) und Veranstaltungen.











Das Projekt Inagro: Instituto agro-industrial

Teil 1: Inagro in Monterilla


Monterilla ist ein 700-Seelen-Dorf in den kolumbianischen Anden. Es liegt 90 km südlich der 2,5-Millionen-Metropole Cali, die als Drogen-Hauptstadt und Salsa-Hochburg gilt.
Doch die ländliche Idylle trügt, denn der abgelegene Ort befindet sich in der so genannten roten Zone. Das bedeutet Guerillagebiet und somit ständiger Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Farc, den revolutionären Streitkräften Kolumbiens. Tausende Tote, Entführte, Vermisste, durch Antipersonenminen Verstümmelte und 5 Millionen Vertriebene sind die Bilanz des über 60 Jahre andauernden Bürgerkriegs.

Die Zerstörung ihres Lebensraumes stürzt die in Armut lebenden Bauern, zum größten Teil Eingeborene, in noch größeres Elend. Brachliegende Felder, Hunger und Krankheiten, Bedrohungen und Erpressungen durch die Rebellen treiben viele Familien auf der Suche nach Schutz und Sicherheit in die Stadt. Doch die Flucht vor den Massakern der Guerilla führt sehr oft in die endlosen Slums Calis, der von gewalttätigen, kriminellen Banden terrorisiert werden.
Not und fehlende Zukunftsperspektiven treiben Jungen und Mädchen vom Land in die Fänge der Aufständischen. Minderjährige lassen sich vom Geld und der Ideologie der Revolutionäre verführen und in Urwaldlagern zu Kindersoldaten trainieren. Achtjährige arbeiten auf illegalen Kokafeldern. Jugendliche aus einsamen Gebirgsgegenden versuchen ihr Glück in Cali, doch ohne Schule und Beruf landen viele im Drogen- oder Rotlichtmilieu, bestenfalls als schlecht bezahlte und ausgebeutete Haushaltskraft.

Diese dramatische Situation veranlasste den kolumbianischen Pfarrer Gersain Paz im Jahr 2000 in seinem Heimatdorf eine Schule zu gründen, um die gefährdete Jugend durch Bildung zu retten.
Regelmäßige Spenden aus Deutschland und Spanien ermöglichten das stetige Wachstum Inagros, des landwirtschaftlich-technischen Gymnasiums Monterilla. Der Ort ist frei von Polizei und Militär und blieb daher von Attacken der Guerilla bis zum heutigen Tag verschont.

Die Mission Inagros besteht darin, den armen, von Gewalt betroffenen Kindern der Region eine gute, umfassende Bildung zu vermitteln im Einklang mit ethischen, moralischen und kulturellen Werten, die ihrer persönlichen Entwicklung und dem Fortschritt ihrer Gemeinden dienen.






Teil 2: Inagro in Steinheim


Trotz des immer lauter werdenden Rufs nach Bildung war es ein Wagnis, in Monterilla eine Schule zu eröffnen. Denn der Prozentsatz der Schulabbrecher in Kolumbien ist hoch. Auf dem Land und vor allem in Guerillagebieten beträgt er sogar 75%.
Mit 60 Schülern und 3 Lehrern, ohne Klassenzimmer und ohne staatliche Zuschüsse, allein im Vertrauen auf Gott wurde Inagro im Jahr 2000 von Pfarrer Paz eingeweiht. Der Unterricht fand zunächst in einer Versammlungshütte der Gemeinde statt. Aber schon bald konnten mit Spenden ausländischer Hilfsorganisationen die ersten Backsteingebäude errichtet werden. Die Schülerzahl stieg kontinuierlich und hat, gemessen an der Infrastruktur, den idealen Stand von 700 erreicht. Die meisten Kinder, die aus 38 Gemeinden stammen, benutzen einen der 4 Schulbusse, die den sicheren Transport über größere Strecken gewährleisten.

120 Mädchen und Jungen aus unzugänglichen, weit entfernten Gebieten finden Platz in den beiden Internaten, für die 3 Franziskanerinnen zuständig sind, die in einem kleinen, zur Schule gehörenden Konvent leben.
Die Besonderheit Inagros besteht darin, sich nicht auf den klassischen Unterricht vor der Wandtafel zu beschränken. Durch den Erwerb praktischer Kenntnisse in den Werkstätten bereitet sie die Schüler frühzeitig auf das Berufsleben vor. Der nationale Ausbildungsdienst Sena und die Fernuniversität Ceres, die sich in Monterilla etabliert haben, ermöglichen Fortbildung und Hochschulstudium nach dem Abitur. Der hohe Entwicklungsstand wurde zum großen Teil mit Hilfe Steinheimer Spender erreicht.

Regelmäßige Zuwendungen kamen von Anfang an von der kfd St. Nikolaus und St. Johann. Einige Sponsorenläufe der Pfarreien, die Weihnachts- und Osterbasare in St. Johann, das traditionelle Krippensingen in St. Nikolaus und viele Einzelaktionen wurden zugunsten der Schule veranstaltet. Unerwartet hohe Summen flossen aus Firmenjubiläen, runden Geburtstagen und selbst aufgrund von Todesfällen nach Kolumbien. Ein Mitglied des kfd Vorstandes St. Nikolaus glänzte in Pilawas Quizsendung und spendete vom Gewinn für 3 Fischteiche. Die Ernten sollen neben anderen Erträgen aus der Landwirtschaft die hohen Betriebskosten der Schule decken.

Ein Segen für die Not leidenden Kinder in Monterilla sind vor allem auch die vielen Patenschaften, die die Steinheimer übernommen haben, um den Ärmsten die Schulbildung zu finanzieren.

Durch meine jährlichen Aufenthalte in dem tropischen Andendorf und dank dem Internet funktioniert die ansonsten recht schwierige Kommunikation zwischen Deutschland und Kolumbien.
Herzlichen Dank allen, die mir und der Schulleitung ihr Vertrauen geschenkt und durch ihre Freigebigkeit eine Bildungsstätte geschaffen haben, die das Leben Hunderter Jugendlicher verändert hat.





Teil 3: Inagro und die Sternsinger


Dank Inagro ist Monterilla heute nicht mehr der unbekannte Flecken Erde in der von Widerstandsgruppen terrorisierten Andenregion im Süden Kolumbiens.

Presse und Fernsehen berichten anerkennend über das Instituto agro-industrial und würdigen es als Modell und Pilotprojekt für die Bildung der von Gewalt betroffenen, Not leidenden Jugend vom Land. Ein guter Ruf verbreitet sich schnell. Er gelangte selbst in die abgelegenen Reservate der Eingeborenen. Von weit her bringen Eltern ihre Kinder und bitten um einen Platz in Schule und Internat. Einige hoffen auf ein Stipendium, denn es hat sich herumgesprochen, dass bedürftige Schüler von deutschen Paten finanziell unterstützt werden.

Schulleiter und Lehrer reisen aus Urwalddörfern an, die nur mit dem Boot erreichbar sind, um unser Unterrichtskonzept zu studieren. Monterilla ist berühmt geworden und attraktiv für alle Lernbegierigen. Denn der kleine Ort hat inzwischen ein großes Schulzentrum, das Bildung von der Vorschule bis zur Reifeprüfung bietet. Und da vielen Abiturienten die Mittel für ein Studium in der Stadt fehlen, ist die Hochschule in Form einer Fernuniversität zu ihnen aufs Land, nach Monterilla, gekommen.

Wie schon bekannt, haben vor allem deutsche Spenden zum Aufbau Inagros geführt. Beträchtliche Summen freigebiger Sponsoren kamen aus Steinheim.
Überwältigend war der Einsatz der Sternsinger von St. Nikolaus, die inspiriert und motiviert durch engagierte Begleiter zwischen den Jahren 2006 und 2013 Inagro tatkräftig unterstützten. Wie wir entsprechend zeitnah berichteten, konnten mit den Erlösen der Sternsingeraktionen mehrere Schulgebäude errichtet und der Basketballplatz durch Überdachung in eine Mehrzweckhalle verwandelt werden. Eine Küche wurde mit Geräten für die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte ausgestattet, den Pädagogen der Wunsch nach einem hellen, luftigen Lehrerzimmer erfüllt.

Bequeme, praktische Schulmöbel wurden angeschafft, sanitäre Anlagen gebaut und Geschirr für die Schulspeisung gekauft. Da der Strom in Monterilla in der Regenzeit oft ausfällt, war der Generator der Sternsinger die Rettung.
Die Spenden der letzten Sternsingeraktion dienten der Einführung moderner Laptops für einen zeitgemäßen, fortschrittlichen und effizienteren Unterricht. Der Zugang zum Internet als Informationsquelle hilft den Schülern, ihre Leistungen zu verbessern und ihren Wissensstand zu erhöhen, um dem Bildungsniveau in städtischen Schulen in nichts nachzustehen. Die neue Technik ist eine enorme Bereicherung und ein weiterer Meilenstein in der Geschichte Inagros.

Schüler und Lehrer sind den Sternsingern, ihren Begleitern und der Gemeinde St. Nikolaus unendlich dankbar, und mit Hilfe des Internets bekommen wir immer regelmäßiger Berichte. Auch an dieser Stelle darf ich Ihnen die herzlichsten Grüße und Segenswünsche aus Monterilla überbringen.

Übersetzung der Gedenktafel: Die Schule Monterilla widmet diese Dankestafel Frau Ingeborg Stöckel, Herrn Giuseppe Abrami, der Pfarrei und vor allem den Sternsingern von St. Nikolaus aus Steinheim am Main für die große Hilfe bei der Ausstattung des Computersaales.
Oktober 2013


Ich werde Sie auch in Zukunft gerne über Inagro informieren.

Ihre
Dr. Hilde Kemmerer


 
Kontaktpersonen
  Dr. Hilde Kemmerer
(06181) 6 24 27



Bildergalerie
Impressionen aus Monterilla
Aktuelle Bilder aus Inagro in Monterilla.
Bilder aus Monterilla (Februar 2013)
Diese Bilder erreichten uns aus Monterilla. Pfarrer Gersain Paz, der leitende Direktor der Schule hat uns diese Bilder zur Verfügung gestellt, damit wir einen Blick in das Projekt Inagro werfen können.
 
 
 
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